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mein Dank erneut zu ihm empor.; dem Schöpfer dieses Großen und Herrlichen, für seine wunderbare 
Rettung. 
Noch an demselben Tag, in gemüthlicher Abendstunde, verließ ich die Stübnitz, deren Naturschönhei 
ten mir so selige Gefühle gewährt, mit der erheiternden Beruhigung daß es nicht Vorwitz von mir war, 
wodurch ich in diese verhängnisvolle Lage versetzt wurde. 
Am Schlüsse dieser Mittheilung fühle ich mich noch gedrungen, der seltenen und edlen Menschen zu 
denken, die sich in meinem Herzen ein bleibendes Denkmal der Liebe und der Dankbarkeit begründet 
haben. Da ich mehrere Nächte in Ruge’s Wohnung verlebt hatte, so glaubte ich den guten Menschen für 
den lebensgefährlichen Beistand sowohl als auch die gastliche Aufnahme und Bewirthung eine Entschä 
digung schuldig zu sein, die aber Rüge mit den Worten ausschlug daß Menschenliebe und Menschen 
pflicht nicht durch Geld vergolten werden könnten. Ich schwieg und im höchsten Gefühle des Danks 
und dieser edelmüthigen Aeußerung drückte ich ihn an das volle Herz. - Gleich am Tage nach meiner 
Rettung bemerkte ich, mit welchem armseligen Messer-Fragment sich Rüge beim Barbiren behalf. Ich 
verehrte ihm daher mein englisches Besteck und schenkte dem kleinen Töchterchen Marie ein seidenes 
Tuch. Hierüber waren die guten Menschen so des innigsten Dankes voll, daß sie mir sogar ein Gegenge 
schenk machten, welches in einem hölzernen Löffel bestand. Theures Geschenk! Köstliches Kleinod! Ich 
schrieb auf den Stiel des Löffels: »Hans und Regina Rüge, den 12. Aug. 1815«. Gleich nach der Rückkehr 
zu meiner Familie ließ ich um den Löffel eine Fassung von Gold und ein Futteral machen und bewahre 
ihn als ein Heiligthum in meinem Schreibepulte. Der 10. August, mein Rettungstag wurde von den 
Meinigen zu einer Festfeier bestimmt, bei der die Namen »Hans und Regina Rüge und York« glänzten 
und die Könige des Festes waren, so wie wir auch nicht unterließen, der weiten Entfernung ungeachtet, 
zuweilen ein werthvolles Zeichen der Dankbarkeit an die guten Menschen gelangen zu lassen. - 
Im Jahre 1819 besuchte ich die Insel zum zweiten Mal und fand zu meiner größten Freude die guten 
Seelen alle wieder bis auf den biedern York: dieser nur war zur Ruhe gegangen. Im stillen Gefühle des 
Danks ging ich zu seiner Ruhestätte und brachte seinen Manen das ihm gebührende Opfer. —« 2l . 
Friedrich Gotthelf Kummer blieb der Rügener Familie in herzlicher Freundschaft verbunden 22 . 
Nach dem Tode Hand Ruges am 25. August 1844 ließ ihm Kummer an seinem Grabe auf dem Sagar- 
der Friedhof einen Gedenkstein aus schwarzem Granit setzen, dessen Inschrift lautet 23 : 
Hans Rüge 
brav und treu und voll Liebe 
als Mensch, als Gatte, als Vater 
Dem Fremdling ein Retter! 
Seinem Andenken 
bleibt Achtung und Liebe gesichert, 
nah und fern. 
25. August 1844 
21 Am 5. August 1819 reiste Kummer ein zweites Mal nach Rügen, dieses Mal in Begleitung seines Freundes 
Carl Gustav Carus und dessen ehemaligen Lehrers, des Zeichenmeisters Dietz. 
22 Erwähnenswert ist, daß Kummer sich sogar um die Ausbildung von Ruges Kindern sorgte, denn er fragt 
in seinen Briefen, ob nicht einer der Söhne Lust habe, nach Sachsen zu kommen, und da ein Handwerk 
zu lernen, oder da zu einem ihn nährenden Geschäfte sich anzuschicken. »Gerne und von Herzen«, schrieb 
er, »wollte ich alles aufbieten, um sein gutes Fortkommen zu befördern«. - »Sobald sich irgend einer dazu ent 
schlossen, und zu etwas bestimmt hat, gebt mir doch ja sogleich Nachricht davon«. Sundine 3. Jg., Nr. 36, Stral 
sund 1828, S. 282. 
23 Der Wortlaut der Inschrift wurde im Nachlaß von Werner Stüdemann, jetzt in Bergen, gefunden. Der 
Grabstein selbst ist nicht mehr vorhanden. Nachzutragen wäre noch, daß Kummers Sohn, Professor Robert 
Kummer (1810-1889), Patenkind von Caspar David Friedrich gewesen ist. Als Friedrich am 7. Mai 
1840 in Dresden starb und am 10. Mai auf dem dortigen Neuen Friedhof beerdigt wurde, rief ihm sein 
Patensohn Worte des Dankes nach. 
64 
585 NZ 30431-75/78 
Universitätsbibliothek Greifswald 
    

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