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Zur Geschichte der Greifswalder Dampfschiffahrt 
von den Anfängen bis 1918 
von Franz Scherer 
Bei den Recherchen über die Segelschiffe der Greifswalder und Wolgaster Flotte des 19. Jahrhun 
derts stieß der Verfasser auch auf vereinzelte Eintragungen zu den Dampfschiffen der Greifswalder 
Reedereien. Diese Eintragungen weckten das Interesse, nunmehr auch diesem, damals viel zukunfts 
trächtigeren Zweig der Greifswalder Schiffahrt nachzugehen. Die Schwierigkeiten bestanden und 
bestehen in der lückenhaften Uberlieferungslage. Die meisten der alten Dampfer waren nur als 
Flußdampfer klassifiziert und fanden deshalb keine Aufnahme in die magisträtlichen und gerichtli 
chen Seeschiffsregister. So stützt sich der vorliegende Aufsatz im wesentlichen auf das »Greifswalder 
Kreis- und Wochenblatt« der - leider im Stadtarchiv Greifswald nicht mehr vollständigen - Jahr 
gänge 1861 bis 1874* sowie auf »Die Handels-Marine der Preußischen Provinzen Pommern und 
Preußen« 1867/68 und 1874 bis 1913 2 . Andere Quellen sind gesondert vermerkt. 
Die Anfänge der Greifswalder Dampfschiffahrt, die mit der Gründung einer eigenen Reederei 
verbunden waren, liegen in den Jahren 1861/1862. Das ist verhältnismäßig spät, die Nachbarstädte, 
so z. B. Stralsund, Wolgast, Anklam und Demmin hatten sich dieses technischen Fortschritts schon 
geraume Zeit früher bedient und damit gute Erfahrungen gemacht. Ebensolche wollten nunmehr 
auch Greifswalder Kaufleute, Gewerbetreibende und Handwerker als Reeder sammeln und nutzen. 
Großes Interesse gab es bei den Greifswaldern für einen regelmäßigen Dampfschiffverkehr auf 
dem Ryck. In den damals noch selbständigen Gemeinden Wieck und Eldena existierte bereits je 
eine Badeanstalt. In Eldena am »Kuhstrand« im südwestlichen Abschnitt der Dänischen Wiek am 
Ende des heutigen Strandbades, in Wieck unmittelbar nördlich der Mole. Diese »Seebadeanstalten« 
bestanden damals aus Badehütten im flachen Wasser und dorthin führenden Stegen, getrennt für 
»Herren und Damen«, sie waren von diesen auch nur zu verschiedenen Zeiten zu benutzen, aber 
immerhin war das Baden in freien Gewässern in Mode gekommen. Außerdem wurden die drei gro 
ßen Gartengaststätten - Frenzei in Eldena Nehls und Kuhrt in Wieck - bei sonntäglichen Fami 
lienausflügen gerne besucht. Frenzei und Nehls bewirtschafteten gleichzeitig die beiden Badeanstal 
ten. Um zu diesen beliebten Ausflugszielen zu gelangen, gab es bis 1862 nur zwei Möglichkeiten: 
Entweder man vertraute sich dem »Pferdeomnibus« oder der - ebenfalls von einem Pferd gezoge 
nen - »Treckschute« an. Ersteres war nicht sonderlich bequem, letzteres ging vor allem sehr lang 
sam, wie zeitgenössische Berichte überliefern (Abb. 1). 
So kam es 1861 zur Gründung einer Gesellschaft. Im »Greifswalder Kreis- und Wochenblatt« vom 
17. August lesen wir dazu: »Greifswald - Wiecker Dampfschiffahrt. Da durch die bisherigen Zeich 
nungen das Unternehmen gesichert erscheint, so laden wir hiermit die Herren Betheiligten, sowie alle 
Diejenigen, welche sich noch zu betheiligen gedenken, und denen die Liste noch nicht hat vorgelegt wer 
den können, behufs der Wahl eines Directoriums auf Montag den 19. August Nachmittags 3 Uhr zu 
einer im Deutschen Hause hierselbst abzuhaltenden General-Versammlung ergebenst ein. Greifswald, 
den 16. August 1861. C. Kesseler u. Sohn, J. D. Gaede u. Sohn«. Die Brüder Kesseler, Ferdinand Julius 
und Carl junior, der Vater und Betriebsgründer Carl senior war schon 1855 verstorben, hatten größ 
tes Interesse am Zustandekommen des Unternehmens. In ihrer »Maschinenbauanstalt« in der An- 
klamer Straße - Ecke Brinkstraße sollten die Flußdampfer gebaut werden. 
1 Stadtarchiv Greifswald Z II 1 , Greifswalder Kreis- und Wochenblatt 1861, 1864, 1865, 1868-1874; ab 
1875 ff. Greifswalder Tageblatt, künftig nur: StdAG,... 
2 Universitätsbibliothek Greifswald Ko 392, Die Handels-Marine der preußischen Provinzen Pommern 
und Preußen, Stettin 1867/1868 und 1874-1913. 
66 
Universitätsbibliothek Greifswald 
585 NZ 30431-75/78
        

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