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Universitätsbibliothek Greifswald 
Abb. 1: Treckschute auf dem Ryck. Links die Schiffswerft von Johann Daniel Gaede. Nach einem Stich von 
1840. Stadtarchiv Greifswald Reprosammlung. 
»Wie wir erfahren, ist der Bau eines Dampfbootes zur Fahrt zwischen Greifswald und Wieck, was 
die Mittel betrifft, bereits gesichert. Die Actionaire haben in ihrer Versammlung am Montage eine Direc- 
torial-Commission erwählt mit dem Aufträge, den von der Firma Kesseler und Sohn aufgestellten Vor 
anschlag zu prüfen, eventualiter den Entwurf zu einem Contracte mit benannter Firma anzufertigen«. 
Kesselers bekamen ihren »Contract« (Vertrag), und im Winter 1861/62 wurde mit dem Bau des 
ersten Dampfbootes begonnen. Wie sich herausstellte, reichte das Aktienkapital bereits für den Bau 
von zwei Dampfern. Der erste Dampfer wurde »Fortschritt« getauft, als Sinnbild für das, was jetzt 
in doppelter Hinsicht erreicht war. An die Stelle der Treckschuten mit nicht immer sicheren 
Abfahrts- und Ankunftszeiten trat nunmehr für den Verkehr auf dem Ryck nach Wieck/Eldena 
der wesentlich schnellere Dampfer, der seinen festen Fahrplan auch tatsächlich einhielt. Zusätzlich 
gab es im Sommer »Damen- und Herren-Badefahrten«, wie das Greifswalder Kreis- und Wochen 
blatt anzeigte. Die Badesaison war damals nur kurz, ging von Anfang Juli bis Ende August, so daß 
der fahrplanmäßige Liniendienst die Hauptbeschäftigung und -einnahmequelle darstellte. Er wurde 
meist nur von einem Dampfer bedient, der zweite blieb für andere Zwecke, zu denen auch kurze 
Vergnügungsfahrten in den Bodden gehörten, frei. 
Der zweite echte Fortschritt bestand in der Bildung einer Aktiengesellschaft für den Bau und die 
Bereedung der Flußdampfer. Gegenüber den komplizierten Rechts- und Besitzverhältnissen der an 
gestammten »Partenreederei«, die in der Segelschiffahrt immer noch vorherrschte, war hier die Or 
ganisationsform dem technischen Fortschritt angeglichen. So ganz konnte man sich von traditionel 
len Formen aber noch nicht trennen. Im gerichtlichen Schiffsregister sind alle 75 Aktionäre na 
mentlich aufgeführt, was für Aktiengesellschaften untypisch ist. Die Aktionäre kamen nicht nur 
aus Greifswald und Umgebung. Hauptaktionär war der Berliner Eisenwarengroßhändler Jacob 
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