585 NZ 30431-59/62 Universitätsbibliothek Greifswald er Brückners Ausführungen für „durchaus nicht überzeugend“ 8 . Der Autorität Karl Kopp- manns also verdankt Goderac sein weiteres Leben in der Literatur. Eine gewisse Schwierigkeit bereitet die Lokalisierung des Ortes Goderac, da kein neu ­ zeitlicher Ort einen Namen trägt, der auf Goderac oder St. Godehardsdorf zurückgehen kann. Hinweise geben aber die Bezeichnungen Gudakrsä in der Knytlinga saga 9 und Gudacra bei Saxo Grammaticus 10 für die Wamow. Außerdem heißt es in der Urkunde, mit der Papst Urban III. 1186 das Bistum Schwerin bestätigte: „in terra Kizin duas uillas, villam sancti Godehardi scilicet et aliam sibi adiacentem cum omni iure“ 11 . In der Ur ­ kunde Papst Cölestins III. aus dem Jahre 1197 wird das sich anschließende Dorf noch näher bestimmt durch: „et molendinum ex australi parte eiusdem ville“ 12 . Goderac lag also nicht nur im Bereich der Wamow, sondern auch in der terra Kessin. Lisch meinte, den Ort im heutigen Goorstorf (5 km nö. von Rostock) gefunden zu haben 13 . Obwohl Schlie darauf hinwies, daß dieses Dorf nie eine Kirche besessen habe und das Kirchdorf Toitenwinkel nicht Godehard, sondern Laurentius und Katharina geweiht sei 14 , hat man an Goorstorf mehrfach bis in die Gegenwart hinein festgehalten 15 . Ein Godehards- Patrozinium ist aber für die Kirche in Kessin bezeugt 16 . Daraus hat Schlie den Schluß ge ­ zogen, daß Goderac wohl in St. Godehardsdorf umbenannt wurde, der Name aber vom Volk nicht angenommen worden sei. Am Dorf sei schließlich der Name der benachbarten Burg Kessin, nach der auch die terra hieß, haften geblieben 17 . Wenn die Lage der Burg auch nicht bekannt ist, so wird doch einer der Burgwälle in der Nähe des Dorfes die Hauptburg der Kessiner gewesen sein 18 . Es bliebe mm noch das sich anschließende Dorf zu ermitteln, an dessen Südseite sich eine Mühle befand. Schlie dachte an Roggentin 19 . Dieser Vorschlag hat nur den Nachteil, daß das Dorf nicht direkt an Kessin angrenzt, so daß man auch noch andere Siedlungen der unmittelbaren Nachbarschaft in Erwägung ziehen könnte. Wenn man aber zwei Urkunden heranzieht, die allerdings erst aus dem Jahre 1350 sind, löst sich vielleicht das Problem. Damals ging es um einen Verkauf des Dorfes Kessin, in den man ausdrücklich einbezog 8 Karl Koppmann: Zur Geschichte des Dorfes Kessin, in: Beiträge zur Geschichte der Stadt Rostock (zit. BGR) I b (1892), S. 60. 9 Sogur Danakonunga, 2. Knytlinga saga, hg. v. Carl af Petersens und Emil Olson, Kopenhagen 1919-1925, S. 262. 10 Saxonis Grammatici Gesta Danorvm, hg. v. Alfred Holder, Straßburg 1886, S. 523. »» MUB I, 137 Nr. 141. 12 MUB I, 160 Nr. 162. - Diese Urkunde ist allerdings nur aus einer Abschrift des 18. Jahrhun ­ derts bekannt. 13 G. C. F. Lisch: Ueber den wendischen Götzen und die wendische Stadt Goderac, in: MJb. VI (1841), S. 70 ff. 14 Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg- Schwerin I, Schwerin 1896, S. 293 Anm. 1. 13 Wolf gang Brüske: Untersuchungen zur Geschichte des Lutizenbundes. Deutsch-wendische Be ­ ziehungen des 10.-12. Jahrhunderts, = Mitteldeutsche Forschungen III, Münster-Köln 1955, S. 134; Franz Engel: Grenzwälder und slawische Burgwardbezirke in Nordmecklenburg. Über die Methoden ihrer Rekonstruktion, in: Siedlung und Verfassung der Slawen zwischen Elbe, Saale und Oder, hg. v. Herbert Ludat, Gießen I960, S. 136. 16 Das älteste Rostocker Stadtbuch (Etwa 1254-1273), hg. v. Hildegard Thierfelder, Göttingen 1967, S. 177 Nr. 878 (auch MUB II, 350 Nr. 1153); G. C. F. Lisch: Der H. Godehard in Kessin, in: MJb. XX (1855), S. 239; Karl Koppmann, S. 57. Schlie, S. 291. 18 Vgl. Ewald Schuldt: Die slawische Keramik in Mecklenburg, = Deutsche Akademie der Wis ­ senschaften zu Berlin. Schriften der Sektion für Vor- und Frühgeschichte V, Berlin 1956, S. 25. i 0 Schlie, S. 291 Anm. 1. 14