— 155 — Greifswald. Ältern, Vormünder, oder Studenten, können sich schriftlich oder mündlich an die Stu- dtencommission wenden, und deren Rath und Beistand nachsuchen; sie darf auch ex okllcio zutreten mit Warnung und Rath, wenn sie Jünglinge auf Abwege kommen sieht; bleibt dies fruchtlos, so hat sie dem Concilio Anzeige zu machen. Sie besteht aus den vier Erdecanen, dem Syndicus, und einem Protvcvllisten, und hält zu bestimmten Zeiten ihre Sitzungen. Die Commission soll auf alle Art und Weise bemüht sehn, die Liebe und das Vertrauen der Studirenden zu gewinnen, und ihnen bei jeder Gelegenheit zu bethätigcn, es sch diese Anstalt mit Nichten auf gehäßigen Zwang, sondern vielmehr lediglich darauf berechnet, die ihr empfohlenen Jünglinge, jeden in dein Fache welchem er sich gewidmet, und zwar aufs leichteste und geschwindeste, zu brauchbaren, würdigen und geachteten Gliedern des gemeinen Wesens zu bilden. In Bezug auf die zu hörenden Vorlesungen erkundigt sich das Directorium der Commission 1) nach den Hauptwissenschafte», welchen der junge Mann sich zu widmen gedenkt, und erinnert ihn, daß richtige Ordnung im Studieren der alleinige Weg zu gründ¬ lichen Kenntnissen sey, und auch am schnellsten zu deren Erwerbung führe. 2) Nach den übrigen Zwecken seines Aufenthalts auf der Akademie, und den Fortschritten, die er bis dahin auf der Bahn nützlichen Wissens gemacht; 3) nach der Absicht weswegen er studiert, sowie »ach der Zeit die er überhaupt auf Universitäten zubringen will oder kann. Nach diesen Erkundigungen entwirft die Com¬ mission einen zweckmäßigen Studienplan für den jungen Mann, und zwar viit gehörigem Rückblick auf den Umstand, ob der Jüngling seinen Lauf in Greifswald beginnt, oder auf anderen Universitäten bereits gewesen ist. Im ersteren Falle erstreckt sich der Studienplan auch auf die nothwendigen Vor- bereitungswissenschasten, Geschichte, Mathematik, Logik, Naturkunde, Methodologie oder Einleitung in sein Hauptstudium; im anderen Falle, wenn eö sich zeigt, daß er jene Anfangskenntnis schon gesammlet hat, geht der Plan lediglich auf die Fortsetzung des Hauptstudii. Übrigens bleibt es der Selbstwahl jedes Jünglinges selbst völlig überlaßen, bei welchem Lehrer er dieses oder jenes Collegium hören will oder nicht. In Bezug auf Fleiß und sittliches Verhalten der ihr anvertraulen Jünglinge muß die Commission gleichfalls, wo es nöthig wird, den irrenden vorladen, und sich von ihm das Gelöbnis unfehlbarer Beßerung geben laßen, unter väterlicher Ermahnung, mit Nachdruck und Ernst; alle Bitterkeiten und Stachelreden sind dabei strenge untersagt. Zeigt sich kein Erfolg, so muß sie es dem akademischen Senate melden. Wünschen die Altern auch eine Beaufsichtigung des Haushaltes des Studierenden, so achtet die Commission auf die Art und Weise, wie derselbe seine Unterhaltsgelder verwendet, und hält ihm erforderlichen Falles vor, wie die Unordnung im Haushalte und die Ver¬ schwendung unvermeidlich zu innerer Unzufriedenheit, Kummer, und Verlust deS Characters und der Ehre führen. Die Commission ist verpflichtet, dem Studierenden Zeugnisse auszustellen, worinn gesagt wird, wie lange er zu Greifswald studiert habe, welche Vorlesungen er hörte, mit welchem Fleiße und Erfolge dies geschah, und wie seine sittliche Aufführung auf der Universität war. Die Verordnung ist abgedruckt in Dähnerts Pommerschen Landesurkunden, Supplementband 4. S. 464 — 475. Vergleiche oben den Visitationsrcces in nro. 242. bi ro. 245. so. 1803. kedrosr. 18. Gustav Benjamin von Spieren, Pastor zu Samtens auf der Insel Rügen, vermacht in seinem Testamente ein Capital von 3000 Thalern zur Unterstützung solcher Studenten der Theologie, welche Predigersöhne sind, wobei Predigersöhne aus Rügen oder Pommern allemal den Vorzug vor fremden haben sollen. Dies Spierensche Stipendium besteht noch , die Verleihung geschah nach dem Willen des Stifters anfangs durch das geistliche Consistorium zu 20'